Huawei Nova: Mittelklasse-Smartphone im Kurztest

Auf der IFA hat Huawei das Nova vorgestellt, ein Mittelklassesmartphone für den geneigten Selfie-Shooter. Inzwischen ist das Gerät in unserer Redaktion angekommen - Zeit also herauszufinden, ob es auch die aktuell aufgerufenen 350€ Wert ist.

Antreten muss das Huawei Nova bei mir im Test gegen das ebenso brandneue Honor 8, welches aktuell mein Daily Driver ist. Wer Honor kennt, weiß, dass dahinter letztlich Huawei steckt - das sieht man nicht zuletzt an der fast identischen Software. Von daher werde ich den Testbericht in diesen Bereichen etwas kürzer halten und verweise auf den Honor 8 Testbericht.

Die Positionierung des Gerätes ist mir allerdings noch nicht so ganz bewusst geworden. Das Honor 8 richtet sich bekanntlich an eine recht junge Zielgruppe und ist nur minimal teurer als das Nova, besitzt dafür aber fast schon Oberklasse-Ausstattung und ist dem Huawei P9 (welches 100€ mehr kostet) nicht unähnlich. Dessen kleiner Bruder, das Huawei P9 Lite wiederrum ähnelt dem Nova, ist dafür aber für 100€ weniger zu haben. Dazu gibt es noch eine Plus-Version des Nova für 50€ Aufpreis, welche optisch ganz anders aussieht, technisch ähnlich aber etwas besser ausgestattet ist. Insofern kannibalisiert sich Huawei hier doch etwas selbst, sowas kennt man sonst eher aus Samsungs früheren Zeiten.

Nun aber zum Testbericht, vielleicht gibt es ja dennoch Bereiche, in denen sich das Nova von der hausinternen Konkurrenz absetzen kann.

Gehäuse

Beim ersten Blick bzw. ersten Anfassen fühlt sich das Nova ausgesprochen wertig und gut verarbeitet an. Dafür sorgt neben der durchgehenden Glasfront auch die angenehme Metallrückseite. Apropos Rückseite: Diese erinnert ziemlich stark an das Nexus 6P, welches ebenso von Huawei gebaut wird. Insbesondere die Leiste mit der Kamera haben beide Geräte gemeinsam, beim Nova ragt diese allerdings nicht hervor.

Das Gerät liegt, unter anderem aufgrund der abgerundeten Rückseite, gut in der Hand, ist allerdings durch die Metallrückseite doch leider recht rutschig. Mit der kompakten Bauweise und dem "nur" 5" großem Display kommen auch kleinere Hände gut mit dem Gerät klar. Gewichtsmäßig gibt es auch nichts auszusetzen, es ist rund 7g leichter als das Honor 8, diesen Unterschied merkt man in der Praxis allerdings nicht.

An der Oberseite gibt es den 3,5mm Klinkenanschuss, auf der rechten Seite befindet sich oben die Lautstärkewippe, darunter der Power-Button. Interessanterweise hat dieser einen roten Rand, was ich für ein unkonventionelles und gut aussehendes Designelement halte - leider gibt es das nur am Powerbutton, sonst nirgends am Gerät. Die Tasten sind gut verarbeitet, nichts wackelt oder klappert, der Druckpunkt ist auch sehr gut.

Auf der Unterseite findet sich mittig der USB Type C-Anschluss, rechts davon die Mono-Lautsprecher. Auf der linken Seite gibt es einzig den SIM/microSD-Slot, welcher wie bei den meisten Huawei-Geräten als DualSIM/microSD-Kombislot gebaut ist. Es lassen sich also entweder nanoSIM und microSD oder 2x nanoSIM nutzen.

Vorderseitig ist über dem Display die Frontkamera sowie eine Aussparung für die Telefonielautsprecher, unten gibt es das Huawei-Logo zu bestaunen. Angenehm finde ich übrigens auch die an den Seiten leicht abgerundete Glasfront, Huawei bezeichnet dies als 2,5D-Glas.

Auf der Hinterseite gibt es oben die Hauptkamera im bereits erwähnten "Streifen", etwas darunter befindet sich mittig der Fingerabdrucksensor. Ganz unten gibt es noch eine knapp ein Zentimeter hohe Leiste aus Kunststoff, vermutlich liegen dahinter die Antennen. Leider hat sich die Abdeckung bei meinem Testgerät auf der linken Seite um circa einen halben Millimeter etwas eingedrückt, im Alltag merkt man davon allerdings nichts.

Mir persönlich gefällt das Honor 8 von der Haptik her insgesamt jedoch etwas besser, das ist aber Geschmackssache. Die einen mögen Glas lieber, die anderen Metall. Letzteres hat allerdings auch den Vorteil immun gegenüber Fingerabdrücken zu sein, diese sammeln sich auf dem Honor leider recht schnell an.

Display

Beim Display setzt Huawei auf ein 5" großes FullHD IPS Panel, also 0,2" weniger bei gleicher Auflösung als beim Honor 8. Dies sorgt für eine geringfügig größere Pixeldichte 441 PPI - beide sind allerdings immernoch absolut ausreichend scharf, da gibt es nichts zu meckern.

Das Display ist leider etwas gelbstichig, das lässt sich Softwareseitig aber auf die eigenen Wünsche anpassen. Ansonsten gibt es nichts weiter daran auszusetzen, im Gegenteil: Durch die nahe Positionierung des Displays am Schutzglas wirkt alles etwas natürlicher und plastischer. Die Helligkeit ist gut, aber nicht überragend, an der Blickwinkelstabilität gibt es nichts auszusetzen.

Technische Ausstattung

Das Huawei Nova wird von einem Snapdragon 625 angetrieben, eindeutig eine Mittelklasse-CPU. Dazu gibt es angenehme 3GB RAM sowie 32GB internen Speicher, welcher sich per microSD um bis zu 256GB erweitern lässt.

Performancemäßig gibt es keine wirklichen Probleme. Natürlich merkt man die etwas bessere CPU des Honor 8 an der ein oder anderen Stelle, beispielsweise beim Laden der Apps, im Alltag macht es aber keinen wirklichen Unterschied, Apps laden immernoch sehr schnell. Ob das in zwei Jahren immernoch so ist (Stichwort Vermüllung), kann man jetzt aber natürlich nicht sagen...

An Kommunikationsmöglichkeiten mit der Außenwelt ist auch alles aktuell Wünschenswerte enthalten: LTE Cat6, WiFi (leider nicht mit dem ac-Standard), Bluetooth 4.1 LE, GPS und NFC sind vorhanden, auf Infrarot wie beim Honor 8 muss man aber verzichten. Der USB Type C-Port nutzt leider auch nur den USB 2.0-Standard.

Beim Nova kommt vermutlich der gleiche Fingerabdrucksensor wie beim Honor 8 zum Einsatz, er ist genauso rasend schnell und erkennungssicher. Allerdings muss er auf die Smart-Key-Funktionen verzichten, er ist nicht als Button ausgeführt und lässt sich dementsprechend auch nicht drücken.

Kamera

Bei der Kamera gibt es wohl mit die größten Unterschiede zwischen den beiden Geräten: Beim Huawei Nova kommt nur eine einzelne Kamera mit 12MP und einer f2.2-Blende zum Einsatz.

Qualitativ ist die Nova-Kamera etwas schlechter, vor allem auch bei schlechteren Lichtverhältnissen. Die Bilder sind dennoch immernoch als gut zu bezeichnen. Einige Testbilder dazu habe ich mal hier hochgeladen.

Die Software ist recht identisch mit dem Honor 8, allerdings sind die Menüs anders aufgebaut. Es gibt aber ebenso zum Beispiel einen Beautymodus oder die Möglichkeit für "Professionelle Fotos". Interessanterweise unterstüzt das Nova 4K-Videos, das kann das Honor 8 nicht.

Die Frontkamera bietet 8MP und reicht für normale Selfies allemal aus. Huawei bewirbt das Gerät als "Selfie-Smartphone" und zielt damit eher auf die weibliche Zielgruppe ab. Es gibt neben dem normalen Beauty-Modus auch noch eine für Make-Up, dabei wird automatisch Make-Up aufs Gesicht aufgetragen (also nur virtuell natürlich), was auch ziemlich gut funktioniert. 8 verschiedene Make-Ups zu unterschiedlichen Anlässen bietet das Smartphone, hier lasse ich einfach einmal ein paar Testbilder für sich sprechen.

Sound

Leider kommt wie auch schon beim Honor 8 ein Mono-Lautsprecher zum Einsatz, welcher HiFi-Fans nicht in Ekstase versetzen wird. Er wird aufgrund seiner Positionierung auch recht schnell von der Hand abgedeckt, insbesondere bei der horizontalen Benutzung des Gerätes.

Ansonsten bietet der Lautsprecher durschnittlichen Klang, der etwas dumpf ist, aber immerhin auch nicht übersteuert. Die Lautstärke geht in Ordnung, um mal ein YouTube-Video mit ein paar Freunden zu gucken reichts.

Akku

Der Akku lässt dich mit 3020mAh gut durch den Tag kommen. Natürlich hängt es immer etwas vom persönlichen Nutzungsschema ab und hat auch mal extreme Ausschläge nach oben und unten, der Durchschnittsnutzer kommt aber auf rund 1,5 Tage Laufzeit. Alternativ lassen sich mit einer Akkuladung auch 1200 Selfies machen, wie Huawei angibt. Ich persönlich würde dann aber lieber einige Stunden PokemonGo bevorzugen.

Leider ist auch kein QuickCharge verbaut, der mitgelieferte Charger pustet 2A bei 5V ins Gerät.

Software

Hier kann ich getrost auf den Testbericht des Honor 8 verweisen, nutzen diese doch beide EMUI 4.1, Huaweis Software-Aufsatz für Android 6. Am besten liest du dir also den Bericht einmal durch, fast alles lässt sich auch auf das Nova übertragen. Ebenso funktionieren die meisten Tipps aus meinem Tipps&Tricks-Beitrag zum Honor 8 ebenso beim Nova.

Fazit

Meine Meinung zu dem Gerät fällt ziemlich positiv aus, ich kann aber keine wirkliche Kaufempfelung aussprechen. Warum das?

Nun, das Gerät an sich überzeugt: Die Verarbeitung ist Top, das Display wirklich gut und auch mit der Kamera wird der Durchschnittsnutzer zufrieden sein. Von der teilweise recht nervigen, aber immernoch nutzbaren Software mal abgesehen dürfte es jeden auch aufgrund des guten Akkus problemlos durch den (All)Tag bringen. Auch der Preis ist mit 350€ durchaus angemessen, für die obere Mittelklasse die man hier geboten bekommt.

Betrachtet man allerdings die hauseigene Konkurrenz, gibt es keine Kaufempfehlung für das Huawei Nova, denn für nur 30€ mehr gibt es das Honor 8, welches von der Hardware her doch deutlich besser ist und vom Design her mich persönlich auch mehr anspricht. Wer allerdings mit der Glasrückseite nichts anfangen kann und lieber Metall oder ein Gerät mit maximal 5" Bildschirmdiagonale in seinen Händen hält, ist beim Nova doch besser aufgehoben.

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Dieses Produkt wurde uns als Testmuster zur Verfügung gestellt.

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von Florian Schmidt

Gründer von Netzleben. Studiert IT System Engineering am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam. Kauft viel zu viel Technik online ein. Liebt Kekse.

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