Smarte Uhr von Huawei: Die Watch 2 im Test

Der Markt für Smartwatches ist schwierig, bisher konnten sie sich noch nicht wirklich durchsetzen. Trotzdem hat Huawei auf dem MWC im Februar die zweite Generation ihrer Watch vorgestellt. Der Testbericht zeigt leider auch, warum sich die smarten Uhren noch nicht wirklich durchsetzen konnten.

Design

Normalerweise wird das Design von Generation zu Generation durchdachter, schicker und wie man aus der neueren Geschichte lernt auch dünner. Huawei ging hier leider den gegenteiligen Weg: die Uhr ist etwas dicker als der Vorgänger, zudem ist der Screen auf der Frontseite kleiner geworden und der Rand drum herum dicker. Kurzum: Die Uhr wirkt deutlich klobiger.

Zudem bestand die erste Generation noch komplett aus Metall, hier hat sich Huawei jetzt für ein Kunststoffgehäuse entschieden. Nur die Unterseite ist aus Metall, welches hygienisch auch sicherlich besser ist. Hinzu gekommen ist allerdings ein zweiter Button unten auf rechten Seite, welcher die App deiner Wahl direkt starten kann.

Auch das Uhrenband besteht komplett aus Silikon, lässt sich aber dank 42mm-Standardanschluss mit jedem beliebigen Band austauschen.

Das Gehäust ist IP68 zertifiziert und damit recht wasserfest. Während man dies von Smartphones als Höchstes der Gefühle kennt (damit es eben auch mal eine Dusche oder versehentlichen Sprung in den Pool überlebt), erwarte ich bei einer Uhr eine bessere Wasserfestigkeit, insbesondere bei einer Uhr mit starkem Fokus auf Fitness. Laut Aussage von Huawei ist Schwimmtraining damit problemlos möglich, allerdings sollte man keine Tauchgänge starten, dafür sind dann nur spezielle Taucheruhren gerüstet.

Für sich betrachtet ist das Design aber doch ansehnlich und die Verarbeitung ist auch auf von Huawei gewohnt gutem Niveau. Allerdings aufgrund der Klobigkeit doch eher für größere (Männer-)Hände geeignet.

Wem das Design nicht edel genug ist, kann auch zur Classic-Edition greifen, welche edler und weniger sportlich aussieht.

Ausstattung

Bei der Ausstattung fährt Huawei dicke Geschütze auf. Neben den Selbstverständlichkeiten wie Bluetooth 4.1LE, NFC und WLAN (aber ohne ac) gibt es hier auch 4GB Speicher und sogar ein LTE Modul. Auch Sensortechnisch ist die Uhr vollausgestattet, unter anderem mit Herzfrequenzsensor an der Unterseite.

Auch das Display ist technisch auf dem aktuellen Stand, aber wie bereits erwähnt leider um 0,2" geschrumpft, sodass wir nun ein komplett rundes 1,2"-AMOLED-Display haben. Bei der Auflösung von 390x390 Pixeln ergeben sich damit knackscharfe 326 PPI.

Der Akku ist etwas über 400mAh groß und reichte damit bei mir locker über zwei Tage bei moderater Nutzung. Läuft ein Fitnesstracking verringert sich natürlich die Laufzeit etwas.

Ladeschale

Bevor wir zur Software kommen, möchte ich noch einige Worte über die Ladeschale verlieren. Normalweise muss sich ja ein Hersteller wenig Gedanken über das Laden der Geräte machen: Einfach einen USB-Anschluss dran und fertig. Bei Smartwatches muss allerdings in die Entwicklung der Ladeschale etwas mehr Hirnschmalz fließen - was bei Huawei wohl leider nicht geschehen ist.

Das Laden selbst funktioniert zwar, und dank eines recht starken Magnets snappt die Uhr auch gut in die Ladeschale. Leider ist es aber nur eine sehr simple Schale die vollständig aus Plastik besteht. Wenn man bedenkt, dass die Uhr alle zwei Tage in die Schale muss, hätte man hier auch etwas besseres entwickeln können.

Zu guter letzt sorgt die Schale zusammen mit dem ziemlich steifen Armband dafür, dass die Uhr nervig auf der Seite oder sogar auf der Front liegen muss. Hier hätte man sicherlich eine bessere Möglichkeit ausdenken können.

Software

Kommen wir nun zur Software und damit meinem größten Kritikpunkt an der Uhr. Vorbei sei gesagt, dass dies die erste Android Wear-Uhr ist, die ich um den Arm hatte, bisher besaß ich nur Pebble-Uhren, von daher kann ich nicht genau sagen, ob jetzt Google oder Huawei das "verbockt" haben - letztendlich zählt aber ja das fertige Produkt.

Die Frage ist erst einmal, wofür die Uhr genutzt wird. Ich nutze sie um einmal Benachrichtigungen vom Smartphone anzusehen, zudem soll sie, da sie ja immer an meinem Handgelenk ist, auch meine Fitnessdaten zuverlässig tracken können.

Der erste Punkt ist kein Problem, ich habe jede Benachrichtigung auch auf die Uhr bekommen, kann dort auch via Sprache oder kleiner Tastatur bzw. Emojis auf Nachrichten antworten. Telegram gibt es übrigens als vollständigen Client auf der Uhr, sehr cool.

Bei den Fitnessdaten gehen die Probleme aber schon los. Es gibt einmal die Huawei Fitness-App, zudem ist auch Google Fit vorinstalliert. Interessanterweise zeigen beide eine Schrittzahl an, aber eine unterschiedliche. Wie kann das sein, es ist doch die gleiche Uhr? Auch mein Handy (ein Honor 9) hat einen Schrittzähler, der im Hintergrund immer mitläuft. Aber obwohl die Uhr ständig mit dem Phone verbunden ist, synchronisiert sich die Uhr nicht mit dem Phone, was die Schrittzahl angeht. Und auch die Huawei-Fitness-Daten lassen sich nicht in Google Fit importieren, wo ich aber alle Daten der anderen Messinstrumente liegen habe.

Letztendlich sollte man doch eine Zentrale haben, in der alle Messwerte einlaufen, bei Google ist das nun einmal Google Fit. Wenn es mehrere Datenquellen gibt, sollte man auswählen können, welche Quelle genutzt wird. Nur leider kann man die Huawei-Daten nicht in Google Fit importieren. Sehr schlecht gelöst.

Die Uhr hat ja auch 4GB Speicherplatz - da könnte man doch Musik drauf laden, oder etwa nicht? Nun, leider höre ich Musik über Spotify. Und die haben zwar eine App für die Uhr, die hat diesen Namen aber nicht verdient. Das einzige was ich damit machen kann sind die zuletzt abgespielten Playlists anklicken und damit auf dem Smartphone starten. Nicht einmal Play/Pause-Knopf gibt es in der App. Und Musik lokal auf der Uhr speichern, damit ich sie beim Joggen ohne Smartphone hören kann? Geht nicht. Sehr enttäuschend. Einzig mp3-Dateien lassen sich auf die Uhr kopieren und dann ohne Smartphone abspielen. In Zeiten von Spotify und co. ist das aber nicht mehr zeitgemäß.

Aber auch das User Interface ist nicht ganz schlüssig. Was böte sich an, wenn ich auf dem Ziffernblatt nach links oder rechts wische? Vermutlich sollte man hier entweder zusätzliche Widgets oder App-Schnellstarts unterbringen. Doch leider kann ich damit nur das Zifferblatt ändern - eine Aktivität, die ich einmalig beim Einrichten der Uhr ausführe.

Auf dem Startbildschirm nach unten zu wischen öffnet - wie vom Smartphone gewohnt - die Schnelleinstellungen. Hier lässt sich u.a. Flugmodus und Do-not-disturb einstellen. So weit sinnvoll. Aber leider sehe ich dort nicht den Verbindungsstatus mit dem Smartphone oder Mobilfunknetz, dazu muss ich erst in die Einstellungen gehen. Und das, obwohl an der Stelle genug Platz wäre...

Die Sinnhaftigkeit vom LTE-Modul hat sich mir aber auch nicht erschlossen, letztendlich würde es nur beim Joggen ohne Smartphone Sinn ergeben, und da auch nur für einige wenige Apps. Der Aufpreis lohnt sich definitiv nicht.

Fazit

Die Uhr erfüllt ihre Grundfunktion, das Anzeigen von Benachrichtigungen und leichter Steuerung des Smartphones sehr gut. Bei den Fitnessdaten wird es aber schon kritisch, hier muss man letztendlich auf die Huawei-Lösung setzen. Leider ist die Hardware aber nur Mittelmäßig, dafür ist die Uhr mit rund 300 Euro preislich aber in der Oberklasse angesiedelt. Positiv hervorheben muss ich aber die Akkulaufzeit, im Gegensatz zu anderen Uhren muss sie immerhin nicht täglich an die Schale und lädt dann aber auch sehr schnell wieder auf.

Letztendlich ist die Kaufentscheidung Geschmackssache - dir muss einfach die Optik gefallen, nicht zuletzt ist die Uhr ja für viele auch ein modisches Accessoire. Die LTE-Version kann ich aber nicht empfehlen, ich weiß nicht wofür eine Uhr überhaupt eine Verbindung ins Mobilfunknetz aufbauen muss.

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Dieses Produkt wurde uns als Testmuster zur Verfügung gestellt.

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von Florian Schmidt

Gründer von Netzleben. Studiert IT System Engineering am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam. Kauft viel zu viel Technik online ein. Liebt Kekse.

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