Peak Design Everyday Backpack: Warum ich mir einen 300€ Rucksack gekauft habe

Was habe ich mich darauf gefreut: Ende letzten Jahres bekam ich endlich meinen neuen Rucksack, das Everyday Backpack von Peak Design. Für schlappe 300€ könnt ihr ihn auch erwerben. Und dieser Test soll zeigen, warum das keine schlechte Investition ist.

Okay, zugegeben: Ich habe mir den Rucksack während der Kickstarter-Phase geholt, da war er rund 70 Euro günstiger. Aber auch 300 Euro ist der Rucksack meiner Meinung nach noch wert.

Peak Design ist eigentlich bekannt dafür, Kamerazubehör herzustellen. Ihr erstes Produkt haben sie auch schon über Kickstarter bekannt gemacht. Dabei handelt es sich um einen intelligent konstruierten Kamera-Clip, mit dem man die Kamera sicher am Körper befestigen kann, aber gleichzeitig mit einem Knopfdruck wieder befreien kann. Ihr zweitneustes Projekt war dann der Everyday Messenger, ein klassischer Messenger Back, welcher allerdings auch gut auf Fotografiezubehör abgestimmt ist. Da war es bloß eine Frage der Zeit, bis auch ein richtiger Rucksack von dem Team aus San Francisco entwickelt wird.

Aber genug des Gelabers, kommen wir zum Rucksack selbst. Ihn gibt es in zwei verschiedenen Größen, 20L und 30L. Ich besitze letzteren in der dunkleren Farbe (Charcoal), es gibt aber auch eine hellere Variante mit Lederdetails (Ash). Für kleinere Körper ist das vielleicht schon zu groß, mir persönlich passt er aber sehr gut. Der Hersteller hat dafür eine sehr schöne Vergleichsgrafik erstellt, damit du den für dich passenden Rucksack findest.

Was macht ihn aber so besonders, dass ich dafür 300€ ausgeben würde? Es ist nicht ein einzelnes Feature wie beispielsweise besondere Diebstahlsicherung oder Ähnliches, sondern das Gesamtpaket. Der Rucksack sieht gut aus, lässt sich ausgesprochen bequem tragen, es passt viel rein und ist innen wie außen sehr gut sortiert, nicht zuletzt gibt es kleine, intelligente Features, die ihn von der großen Masse abheben.

Ich möchte einmal quasi rund um den Rucksack herum gehen, um alles im Detail zu erklären. Fangen wir hinten an, also bei dem Teil, der auf dem Rücken aufliegt. Die Auflagefläche ist recht gering, aber trotzdem noch bequem. Bisher habe ich auch unter dem Rucksack nicht zu Schwitzen angefangen, ich habe ihn aber zugegebenermaßen noch nicht unter warmen bis heißen Wetterbedingungen testen können. Die Auflagefläche ist nur oben und unten mit dem Rucksack vernäht und hält sonst per Klettverschluss an der Hinterseite. Grund dafür ist, dass man ihn dann auch quer auf den Griff von Trolleys aufstecken und ihn so bequem transportieren kann, wenn man eh mit größerem Gepäck unterwegs ist. Die Schultergurte sind drehbar gelagert, was für deutlich passenderen Halt und eine Entlastung sowohl von Rucksack als auch Mensch sorgt. Oben ist auch noch ein Haltegriff befestigt, der über die ganze Breite des Backpacks geht und sehr angenehm in der Hand liegt.

Oben befindet sich direkt das wassergeschützt verschlossene Laptopfach. In dieses passt problemlos mein ThinkPad T460s hinein, auch 15" MacBooks finden in den Backpacks beider Größen Platz. Innen gibt es noch eine Unterteilung für ein zweites Fach, gedacht für Tablets. Oben befindet sich schlussendlich noch eine kleine Tasche, welche beispielsweise Reisedokumente oder in meinem Fall meinen mobilen Hotspot und InEar-Kopfhörer aufbewahren kann.

Die Hauptklappe des Rucksacks lässt sich mit einem sehr intelligenten Verschlussmechanismus schließen: Es reicht die Klappe einfach fallen zu lassen und kurz hoch zu ziehen, schon schließt sie sich (auch dank magnetischer Befestigung) sicher von selbst. Zum Öffnen einfach den Haken nach vorneunten ziehen und die Klappe ist wieder auf. Es gibt insgesamt vier verschiedene Positionen, in denen die Klappe einrasten kann. Das bietet die Möglichkeit, den verfügbaren Platz komplett auszunutzen oder den Rucksack möglichst kompakt zu halten, wenn dieser nicht ganz gefüllt ist.

Beide Seiten lassen sich ebenfalls komplett öffnen, der Innenraum ist also von drei Seiten komplett erreichbar. Auch die Reißverschlüsse sind wieder Wasserabweisend (wie generell die gesamte Oberfläche), es gibt pro Seite zwei Zipper. Besonderheit hier: Die Grifflaschen lassen sich öffnen, durch die Stoffhaken oben oder unten führen und wieder verschließen, somit entsteht ein einfacher Diebstahlschutz, der das Öffnen des Reißverschlusses, während man das Backpack auf dem Rücken trägt, deutlichst erschwert.

Es gibt auch an beiden Seiten wieder Haltegriffe, die auch das Tragen auf der Seite ermöglichen. Selbstverständlich ist der Rucksack auch beidseitig mit Laschen ausgestattet, in denen Flaschen oder auch mein großes Manfrotto 055 Stativ unterkommen können. Damit dort nichts herum wackelt, gibt es Bänder zum Festzurren, welche in der Seitentasche versteckt sind. Diese können einfach an den Stoffhaken, die auch die Reißverschlüsse sichern, befestigt werden. Die Gurte sind aber abnehmbar befestigt, sodass sie auch von anderen Haken aus sehr flexibel Equipment sichern können. Übrigens gibt es auch an der Unterseite nochmal zwei Bänder, also insgesamt vier, geeignet um beispielsweise eine Isomatte unter dem Rucksack zu befestigen. Die Bänder an der Unterseite lassen sich auch im Rucksack verstecken, dafür befindet sich eine magnetisch verschlossene Klappe direkt an der Unterseite des Rucksacks. Schlaufen gibt es zehn Stück am ganzen Rucksack, jeweils auf beiden Seiten ganz oben, vorne direkt unter der Klappe und am Ansatz der Seitentaschen sowie unten vorne und hinten am Rucksack. Ein sehr flexibles, durchdachtes und dabei auch sicheres System also.

Wenn der Rucksack auf dem Rücken befestigt ist, kann er wie jeder gute Rucksack auch durch Brust- und Hüftgurt stabilisiert werden. Der Brustgurt ist dabei an den Schultergurten befestigt und lässt sich mit einem Clipsystem auf vier verschiedenen Höhen montieren. Leider lässt sich das Band nirgendwo verstecken, sodass es bei Nichtnutzung herumbaumelt. Zwar gibt es eine kleine Schlaufe, die das Abmontieren auf einer Seite vereinfacht, dennoch sitzt der Clip ziemlich fest und benötigt recht viel Kraft zum Abnehmen, was definitiv verbessert werden könnte. Der zweiteilige Hüftgurt funktioniert etwas anders, beide Teile sind jeweils in der Seitentasche versteckt und lassen sich über eine kleine Öffnung herausziehen. Leider ist diese Öffnung meiner Meinung nach zu klein, teilweise brauche ich über eine Minute um den Gurt heraus zu fummeln, mit Backpack auf dem Rücken auch mal zwei. Beide Teile lassen sich in der Länge verstellen, sodass die Lasche auch immer mittig ist. Beim Hüftgurt muss auch nur ein Haken in eine Gurtlasche auf der anderen Seite gehakt werden, beim Brustgurt sind Haken auf beiden Seiten.

Die Schultergurte lassen sich hingegen sehr einfach in ihrer Länge verstellen. Es gibt eine Lasche am Ende, um den Gurt schnell zu straffen, am Metallstück befindet sich ebenfalls eine Lasche, mit der das Metallstück einfach angehoben werden kann und den Gurt so freigibt. Insgesamt laufen alle Gurte sehr einfach durch die Laschen, da sie aus einem relativ glatten Stoff (ähnlich dem von Autositzgurten) bestehen, sie halten dennoch unter Last sehr fest.

Kommen wir nun zu den inneren Werten, und diese müssen sich auf keinen Fall verstecken. Der komplette Innenteil ist ein großer Raum, welcher eben 20 bzw. 30 Liter fasst. Das fanden die Designer des Rucksacks wohl - zu recht - langweilig, denn so liegt alles wertvolle Kameraequipment quasi auf einem Haufen und beschädigt sich im schlimmsten Falle gegenseitig. Nicht zuletzt ist es auch ausgesprochen nervig, den ganzen Rucksack zu durchwühlen, bis man mal was gefunden hat.

Abhilfe schaffen hier Peak Designs sogenannte FlexFold Divider, von denen drei Stück mitgeliefert werden. Die Divider bestehen aus einem formstabilen Material in der gleichen Optik wie das Innere des Rucksacks und lassen sich dort via Klettverschluss an beliebiger Stelle montieren. Besonders ist, dass die Seiten sich hochklappen lassen und so nochmal kleinere Kammern entstehen. Jede Ebene kann also frei nach Wunsch aufgeteilt werden, quasi als 3er-Layout, 2:1, 1:2 und 1:1:1 Layout. In meinem Fall lagere ich ganz unten (unter dem ersten Divider) meine Kamera und das Objektiv, in der ersten Ebene dann mit einem 2:1 Layout meine Over-Ear-Kopfhörer sowie das Laptop-Netzteil. Darüber befindet sich ein zweiter Teiler, der quasi der neue Boden für den großen Raum ist. Den dritten Divider habe ich Momentan nicht im Einsatz. Hier kommt auch die Möglichkeit des dreiseitigen Zugriffs zum Zuge, denn so lassen sich die aufgeteilten Seiten problemlos nutzen, ohne die Divider jedes Mal umzuklappen oder heraus zu nehmen.

An der Vorderseite ist von innen noch ein kleines, magnetisch verschließbares Fach montiert, in welchem zum Beispiel Dokumente gelagert werden können. Die Seiten haben ebenfalls von innen erreichbare und mit Reißverschluss schließbare Fächer, in denen bei mir Akkus und Netzteile unterkommen. Als letztes kleines Schmankerl gibt es eine von Peak Designs Ankerschlaufen mitgeliefert (die Gleichen wie hier), das passende Gegenstück ist an einem der seitlichen Griffe montiert. Gedacht ist es, um Schlüssel und ähnliche Dinge sicher zu verstauen und schnell in Griffweite zu haben.

Mich persönlich hat der Rucksack voll überzeugt und ich habe nur wenige Kritikpunkte gefunden. Die Probleme mit dem Hüft- und Brustgurt habe ich ja schon oben erwähnt. Weiterhin würde ich mir noch kleine "hidden pockets" wünschen, also Fächer, die man nicht auf den ersten Blick findet. In der Klappe wäre dafür Platz, ebenso könnte man noch am Rücken ein Fach anbringen oder auch in den Schultergurten. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Auf der Website habe ich auch ein Bild gefunden, bei dem ein PeakDesign Capture Pro am Schultergurt montiert ist. Leider ist das mit meinem fast unmöglich, da im Bereich der Montagefläche auch der Brustgurt eingehakt wird und das Material hier sehr dick ist. Hier würde ich mir einen dedizierten Platz für den Capture Clip wünschen.

Das Peak Design Everyday Backpack zeichnet sich durch ausgesprochen gute Materialien und Verarbeitung und ein durchdachtes Konzept aus und ist meiner Meinung nach seine 300€ definitiv Wert. Nicht nur Fotografen bekommen damit ein gutes Allround-Paket, auch Menschen die viel Reisen sind bei dem Backpack gut aufgehoben. Ob du prinzipiell bereit bist 300 Euro (bzw. 270€ für die 20L-Variante) für einen Rucksack auszugeben, das musst allein du selbst entscheiden. Wenn du dich dafür entschieden hast, kannst du die Backpacks zum Beispiel bei enjoyyourcamera kaufen (und auch im Hannoverschen Ladengeschäft vorher angucken) oder bequem bei Amazon bestellen.

(amazon: B01LY462YQ)

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von Florian Schmidt

Gründer von Netzleben. Studiert IT System Engineering am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam. Kauft viel zu viel Technik online ein. Liebt Kekse.

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