Asus Zenfone 2: Hardware-Knüller im Test

Seit kurzem ist das Zenfone 2 in Deutschland erhältlich, Asus macht dabei mit dem Smartphone einiges anders als die Konkurrenz. Ob es nur anders, oder auch besser ist, zeigt der ausführliche Test bei uns.

Ein potenter Prozessor, ordentlich RAM, viel Speicher - das verspricht ein wahrer Hardware-Knüller zu werden. Preislich liegt das Smartphone allerdings eher auf Höhe der Mittelklasse-Geräte. Mit etwas unter 400 Euro ist es damit noch günstiger als das OnePlus Two oder das LG G4, kann denen von der nominellen Hardware aber locker das Wasser reichen.

Asus stellte uns das Zenfone im Rahmen eines Testerprogrammes netterweise zur Verfügung, vielen Dank dafür an dieser Stelle. Wir erhielten das etwas stärkere Modell mit dem Atom Z3580 und 4GB RAM.

Direkt nachdem das Paket ankam, ließen wir uns natürlich nicht lumpen und haben ein Unboxing-Video erstellt, welches hierunter noch einmal eingebunden ist. Wer eher auf Videos als auf Text steht, sollte sich jenes Video also auf jeden Fall ansehen.

Technische Daten

  • Intel Atom Z3580 Quadcore-Prozessor mit 2,3 GHz, 64-Bit fähig (4GB RAM-Modell)
  • Intel Atom Z3560 Quadcore-Prozessor mit 1,8 GHz, 64-Bit fähig (2GB RAM-Modell)
  • 2 oder 4 GB RAM
  • 16/32/64 GB Speicher, microSD-Slot
  • 5,5" Full-HD-Display IPS, mit Gorilla Glas 3
  • 13MP Hauptkamera, 5MP Frontkamera,
  • 3000mAh Akku mit Fast-Charging
  • Dual-SIM (LTE + GSM)
  • WiFi ac, Bluetooth 4.0, A-GPS/GLONASS, NFC
  • 170g, 10,9mm Dicke (3,9 an den Seiten)
  • Android 5.0, Update auf 6.0 angekündigt

Haptik und Optik

Direkt nach dem Auspacken wird klar: Das Handy sieht zwar durch die Rückseite in Alu-Optik ziemlich schick aus, ist leider aber dennoch ein Plastikbomber. Die Rückseite soll an gebürstetes Aluminium erinnern, besitzt auch eine entsprechende Struktur (übrigens genauso wie die Titan-Folie von dbrand, welche wir hier getestet haben). Allerdings merkt man sofort, dass die Rückseite reines Plastik ist.

Vorne wird der Eindruck dann deutlich besser. Über das gesamte Gerät zieht sich das Displayglas, nur am unteren Ende befindet sich wieder ein Plastikeinsatz mit einer geschliffenen Optik. Wenn man das Gerät neigt, ändert sich auch die Lichtreflexion auf dem Teil des Gerätes.

Etwas ungewohnt ist es, dass sich der Power-Button an der Oberseite mittig platziert befindet, setzt doch sogar inzwischen Apple auf Tasten an der Seite. Grade bei der Displaygröße von 5,5" ist die Taste schwierig erreichbar - dies löst Asus aber, indem man zum Anschalten des Bildschirmes einfach doppelt auf diesen tippen kann.

Auch die Lautstärkewippe ist ungewöhnlich platziert, nämlich mittig auf der Rückseite wie man es von LG inzwischen ebenfalls kennt. Diese ist auch gut erreichbar und hat einen guten Druckpunkt. Allerdings muss man natürlich beachten, das ein Tastendruck immer einen Gegendruck benötigt, somit muss man zum Betätigen der Taste zwangsläufig auch aufs Display drücken. Bei seitlichen Tasten wäre das nicht vorgekommen.

Auf der Oberseite links vom Power-Button befindet sich noch der 3,5mm-Klinkenanschluss. Unten ist mittig der microUSB-Anschluss positioniert, leider setzt Asus hier noch nicht auf Type C. Die Lautsprecher sind im unteren Bereich der Rückseite über kleine ausgefräste Löcher hörbar.

Wer 1 und 1 richtig zusammen zählen konnte hat festgestellt, dass es an den Seiten keinerlei Tasten gibt. Daher konnte Asus die Seiten mit nur 3,9mm Dicke ziemlich dünn gestalten, die komplette Rückseite ist rund. Trotz der 5,5" Displaygröße liegt das Zenfone damit extrem gut in der Hand, sogar noch besser als das exakt gleich große OnePlus One. Kein Vergleich beispielsweise zum Note 4, welches im Vergleich wie ein Backstein wirkt.

Display

Das Display bietet fast schon Standardkost, mit Full-HD (1920x1080 Pixel) auf 5,5" haut man inzwischen niemanden mehr aus den Socken. Allerdings finde ich den Schritt von Asus absolut richtig, meiner Meinung nach braucht es auch nicht mehr als 400 dpi (das Zenfone 2 hat 401), um alles absolut scharf darstellen zu können. Mehr Pixel bedeuten auch immer mehr Akkuverbrauch, und ich habe lieber mehr Laufzeit als ein paar mehr Pixel die ich in der Praxis eh nicht erkennen kann.

Dank der IPS-Technologie ist es ausgesprochen blickwinkelstabil, das kommt fast schon an die Qualität eines OLED-Displays heran. Wenn man allerdings in ziemlich spitzem Winkel auf das Display schaut, muss man - wie eigentlich bei jedem Smartphone - mit einer starken Spiegelung rechnen. Abhilfe dürfte hier nur eine matte Folie schaffen.

Das Display ist gut mit dem Gorilla Glas 3 verklebt, sodass es keine nervigen Abstände an den Rändern gibt und der Bildschirm wie aus einem Guss wirkt. Apropos Gorilla Glas 3: Ich habe es während meines Tests nicht geschafft, einen Kratzer in das Glas zu bekommen. Und das will was heißen: Ich hatte in meinem OnePlus One innerhalb von 24 Stunden mehrere dicke Kratzer drin.

Die Helligkeit ist nicht Spitzenklasse, allerdings immer noch locker ausreichend, wenn man draußen unterwegs ist. Leider herrscht aktuell ja klassisches November-Wetter, sodass ich keinen Test unter direkter Sonneneinstrahlung bei blauem Himmel machen konnte.

Übrigens sehr cool: Asus installiert ab Werk Splendid, eine App, mit der man die Farbtemperatur sowie das Erscheinungsbild des Displays verändern kann. Ob man nun auf knallige Samsung-Farben steht oder das Display lieber Schwarz/Weiß hätte - beides kein Problem.

Akku

Das Zenfone 2 ist bei weitem kein Akkuwunder - das darf man aber bei den fest verbauten 3000mAh und der Power natürlich auch nicht erwarten. Dennoch schlägt sich das Phone gar nicht mal so schlecht, im Benchmark erreichte es eine theoretische Laufzeit von knapp sechs Stunden. Über den Tag hinweg reicht das auf jeden Fall, dennoch würde ich jede Nacht das Gerät auch wieder aufladen, um auf der sicheren Seite zu sein.

Asus hat dem Smartphone dafür aber eine Quick-Charging-Funktion spendiert, welche den Akku innerhalb von 40 Minuten auf 60 Prozent aufladen kann. Das hat im Test auch so funktioniert. Warum auch immer erlaubt aber nur das mitgelieferte Netzteil der leistungsfähigeren Ausstattungsvariante (Atom Z3580 + 4GB RAM) das schnelle Aufladen, alle anderen Netzteile unterstützen das nicht. Quick-Charging gibts also nur, wenn ihr etwas mehr Geld ausgebt. Eine drahtlose Lademöglichkeit fehlt leider.

Softwareseitig versucht der Hersteller noch einiges herauszuholen, indem sie einige Apps vorinstallieren. So kann ich zum Beispiel auswählen, welche der Apps beim Start mit gestartet werden können. Außerdem könnte man verschiedene Leistungseinstellungen auswählen und bekommt die vorraussichtliche Bereitschaftszeit gleich mit angezeigt. Auch einen eigenen Plan kann ich erstellen, bei dem ich dann für jede App Push-Benachrichtigungen einzeln erlauben kann. Funktioniert natürlich nur, wenn das Netzwerk auch aktiv ist, aber auch das lässt sich in der App einstellen.

Performance

Asus setzt beim Zenfone 2 nicht wie die meisten Hersteller auf ARM-Chipsätze von Qualcomm oder MediaTek, sondern auf x86-CPUs von Intel - konkret hier dem Quadcore Intel Atom Z3580 bzw Atom Z3560 mit 2,3 bzw 1,8 GHz Taktrate. Dazu gibt es 4GB bzw 2 GB RAM. Und ich kann euch sagen: Das Ding hat ordentlich Dampf unterm Hintern!

Im AnTuTu-Benchmark erreicht das Zenfone 47526 Punkte - mehr als das Galaxy Note 4 und nur etwas weniger als das Galaxy S6 (edge). Natürlich spiegeln solche Benchmark-Ergebnisse nicht die Praxis wieder, einen guten Eindruck können sie dennoch verschaffen.

Dieser findet sich auch in der Bedienung wieder. Auf dem Homescreen ist absolut kein Ruckeln zu bemerken. Apps starten wahnsinnig schnell und auch der Wechsel zwischen ihnen ist kein Problem. Auch zwischen mehreren 3D-Spielen hin und her zu wechseln macht dem Atom nichts aus.

Asus spendiert dem Zenfone einen relativ starken RAM-Manager, der auf einen Klick den RAM soweit möglich leert und damit wieder mehr Platz für neue Anwendungen bzw. mehr Laufzeit beschafft.

Kamera

Mit das Wichtigste an einem Smartphone ist inzwischen die Kamera. Wir posten Bilder auf Instagram, machen Selfies für Snapchat und dokumentieren unser Leben somit mehr oder weniger öffentlich. Für all das brauchen wir aber eine Kamera, und man ärgert sich besonders, wenn die Knipse im eigenen Smartphone schlecht ist.

Die Hardware ist im Zenfone 2 absolute Oberklasse - um aber diesen günstigen Preis zu erreichen, musste Asus irgendwo den Rotstift ansetzen. In diesem Falle, wie so häufig, bei der Kamera. Sie ist natürlich besser als eine Kamera aus dem Smartphone-Einstiegsbereich - kommt aber auch nicht an die Qualität von iPhone, Galaxy S6 oder LG G4 heran.

Die Fotos im Hellen sind ganz ordentlich, auch im Dunkeln sind sie durchaus ansehnlich, fangen dann aber schnell an zu rauschen bzw zu verwackeln. Optional gibt es einen Modus für Dunkelheit, bei dem dann die Fotos statt mit den 13 MP nur mit 3 MP gemacht werden.

Auslöser und Autofokus arbeiten angenehm schnell. Letzterer hat leider manchmal Probleme, wenn man Dinge makromäßig fotografieren will, ich konnte nicht auf einen kleinen Ast eines Strauchs fokussieren, was bei iPhone und OnePlus One problemlos möglich war.

Positiv hervorzuheben ist, dass Asus einen manuellen Modus einprogrammiert hat. Damit könnt ihr alles (außer die Blende) selbst einstellen, ähnlich wie an einer professionellen DSLR. Sogar ein Histogram und eine einfache Wasserwaage sind vorhanden. Wer also fotografische Ambitionen hat, kann das durchaus einmal ausprobieren.

Allgemein gibt es ziemlich viele Modi, die unterschiedliche Ergebnisse erzielen. In verschiedenen Situationen bietet das Smartphone auch von sich aus diese Modi an, zum Beispiel bei Dunkelheit. Der Tiefen(un)schärfe-Modus hat im Test sehr gut funktioniert, man kann sogar im Nachhinein einstellen, wie unscharf der Hintergrund ist. Für den Nachtaufnahmemodus sollte man aber idealerweise ein Stativ oder zumindest einen festen Untergrund verwenden, da kein optischer Bildstabilisator verbaut wurde.

Für Selfies wurde eine 5MP-Weitwinkelkamera verbaut, die auch ganz ordentliche Bilder macht, im Dunkeln aber ebenfalls rauschig oder verwackelt sind. Für Snapchat aber allemal ausreichend.

Videos sind mit der rückseitigen Kamera leider nur mit 1080p30 machbar. Außerdem kommt auch hier der nicht vorhandene optische Bildstabilisator zum Vorschein, die Bilder verwackeln ziemlich schnell mal. Es gibt zwar die Möglichkeit, Softwareseitig einen Stabilisator einzubauen, der reduziert die Videoaufnahmegröße dann aber auf nur noch HD-Qualität.

Software

Angetrieben wird das Zenfone 2 von Android 5.0 Lollipop. Es gibt zwar zwischendrin immer mal wieder Updates (während des Testes zwei Stück), diese brachten bisher aber noch kein Major-Update auf 6.0 Marshmallow. Das Update wurde allerdings schon angekündigt - leider noch ohne konkreten Zeitplan.

Asus installiert über das nackte Android die ZenUI. Wer mich kennt, weiß, ich bin ein absoluter Fan von (anpassbarem) nacktem Android, dafür liebe ich mein OnePlus One auch und stehe fremden Oberflächen dementsprechend kritisch gegenüber. Der Hersteller greift hier sehr stark in die Oberfläche ein. Ein eigener Launcher mit geänderten App-Buttons gehört leider unter anderem dazu. Auch die normale Nutzeroberfläche hat Asus angepasst, hierbei sich aber immerhin an den aktuellen Trend zum Flat-Design orientiert. Leider ist das eine ziemlich helle Oberfläche geworden, ich stehe eher auf dunkle Themes. Immerhin bremsen die Anpassungen das gesamte System nicht aus.

Auch wird das Gerät mit ziemlich viel Software vollgestopft, die eigentlich nicht nötig ist. Es gibt zum Beispiel ZenLink, welches scheinbar irgendeine Synchronisationsmöglichkeit enthält - aber nicht als eine App, sondern direkt aufgeteilt in 4 Apps! Auch eine App zur Erstellung von Fotocollagen ist vorhanden. Wieso diese aber zwangsläufig ihr Wasserzeichen mit aufs Bild bringt, bleibt mir schleierhaft.

Sonstiges

In das Gerät passen zwei SIM-Karten gleichzeitig. Allerdings muss man sich hier schon beim Einsetzen der Karten entscheiden, mit welcher man im Internet surft, denn der zweite Slot kann nur 2G und ist damit auch nur zum Telefonieren geeignet. Der erste Slot unterstützt aber 2G, 3G und auch LTE.

Zusätzlich gibt es dann noch einen microSD-Slot, der Karten mit bis zu 128GB aufnehmen kann. Außerdem gibt es auch eine Deluxe-Variante des Zenfone 2, welche eine andere Rückseite besitzt (aufgeschliffenes, diamantähnliches Muster) sowie 128GB internen Speicher - zusammen kommt man somit also auf 256GB Speicher, die maximal möglich sind.

Fazit

Die nominelle Hardware-Spezifikationen machen das Smartphone zu einem absolutem Top-Gerät. Für ein Flaggschiff fehlen aber meiner Meinung nach Kleinigkeiten: Ein drahtloses Aufladen ist leider nicht möglich, ebenfalls fehlt ein Fingerabdrucksensor. Auch müssen bei der Kamera leider abstriche gemacht werden.

Das Preis/Leistungsverhältnis ist aber sehr gut, zu kaufen gibt es das Zenfone schon ab etwa 360 Euro in der getesteten Ausstattung mit 32GB Speicher und 4GB RAM. Wer also in dieser Preisklasse ein neues Smartphone sucht, ist hier auf jeden Fall gut bedient.

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Dieses Produkt wurde uns als Testmuster zur Verfügung gestellt.

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von Florian Schmidt

Gründer von Netzleben. Studiert IT System Engineering am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam. Kauft viel zu viel Technik online ein. Liebt Kekse.

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